Hendriks Biografie

Musiker, Filmemacher, Fotograf, Schriftsteller, Comiczeichner, Capoeirista und Coach. Hendrik Rojas ist Multikünstler. In seinem Schaffen verbindet er Welten der Musik, Kunst und Bewegung.

Geboren wurde Hendrik in Havanna. Ob auf Familienfeiern oder an Festtagen – zu jedem erdenklichen Anlass wurde in der Familie gesungen und musiziert. Diese Melodien und Rhythmen prägten Hendrik und legten den Grundstein für seine Liebe zur Musik. Mit sechs Jahren lernte er Trompete bei seinem Bruder, der am Konservatorium studierte. Als Hendrik mit 15 Jahren eine Ausbildung zum Metallurgiker begann, stand fest, dass dieser Bildungsweg nicht ausreichen würde, um seiner Kreativität freien Lauf zu lassen. So widmete er sich in seiner Freizeit immer mehr der Musik. Über den Austausch mit anderen Künstlern aus seinem Stadtviertel entdeckte Hendrik die Welt der Trova – der kubanischen Singer-Songwriter-Szene. Ihn faszinierten besonders klassische kubanische Musiker, wie Bola de Nieve, Benny Moré, Cesar Portillo de la Luz. Aber auch zeitgenössische Trovadores, wie Pablo Milanés, Gerardo Alfonso und Carlos Varela, und junge Musiker, die er auf den Straßen Havannas kennenlernte, begeisterten ihn. Sie schienen durch ihre Texte und Melodien über unendliche Möglichkeiten zu verfügen, ihre Gedanken und Träume auszudrücken.

Nach seiner Ausbildung in Metallurgie widmete sich Hendrik ganz und gar der Musik und den Künsten. Er trat zunächst als begleitender Gitarrist auf und gewann mehrere Bolero-Wettbewerbe. Immer öfter spielte er mit anderen Musikern im Zentrum Havannas, begann eigene Lieder zu komponieren, verliebte sich in die kubanische Trova und Rap. Neben der Gitarre entdeckte er die kubanische Tres für sich. Der kraftvolle, rauhe Klang dieses traditionellen Instrumentes beeindruckten ihn. Die Treseros Arsenio Rodríguez, Niño Rivera und Efrain Rios waren seine neuen Vorbilder. Er begann, die traditionelle Trova mit Funk- und HipHop zu verbinden. 2005 produzierte er zusammen mit anderen kubanischen Musikern seine ersten Aufnahmen.

Auch die Kunst des Zeichnens entdeckte Hendrik früh. Schon als Kind besuchte er Zeichenkurse im lokalen Kulturzentrum Casa de la Cultura seines Wohnbezirks Guanabacoa. Als er acht Jahre alt war, ließ die Klassenlehrerin seinen Vater in der Schule vorsprechen, weil Hendrik seine Hefte während des Unterrichts unablässig mit Zeichnungen verzierte. Mit zwölf Jahren brachte ihm der Comiczeichner Maikel García bei, wie man Comicfiguren zeichnet und Kurzgeschichten entwickelt. So fing er an, für das Satireblatt Palante und für Jugendzeitschriften wie La edad de oro en nosotros, Pionero und Somos jóvenes zu arbeiten, bis er 2005 beim Kubanischen Institut für Filmkunst und Filmindustrie ICAIC (Instituto Cubano de Arte e Industria Cinematográficos) landete.

Der Wohnbezirk, in dem Hendrik aufwuchs, war kein harmloses Viertel. Als Jugendlicher erlebte er oft gefährliche Situationen, die in ihm den Wunsch weckten, sich selbst besser verteidigen zu können. Mit 9 Jahren begann Hendrik, sich für Kampfsport zu interessieren. Als Zwölfjähriger fing er an, Wu-Shu Kung-Fu zu erlernen. Er schaffte es als Mitglied der Kubanischen Nationalakademie im Lokalverein Regla (Havanna) bis in die Prä-Selektion der Nationalauswahl und arbeitete als Ausbilder in der Kampfkunstschule. Nicht nur das Element der Selbstverteidigung, sondern vor allem die Philosophie des Kung-Fu, in der das Gleichgewicht von Geist und Körper eine große Rolle spielt, beeinflussten seine Identität als Künstler stark. Später lernte Hendrik die brasilianische Kampfkunst Capoeira kennen, in der er viele Denkweisen und Lebensstrategien aus dem Kung-Fu wiedererkannte. Er identifizierte sich stark mit den Bewegungen, den Rhythmen und den Gesängen der Capoeira und entdeckte sie als Ausdrucksform und Inspirationsquelle. So findet sich der Berimbau, ein Bogeninstrument der Capoeira, in Hendriks Musik wieder.

Hendrik zieht Verbindungen zwischen Bereichen, die oft getrennt gedacht werden: Klang, Bilder, Schrift, Bewegung. Alles ist mit einander verbunden, jeder Mensch ist auf den Kontakt zu anderen Menschen angewiesen – ob gewollt oder nicht. Auf seiner Suche nach persönlichen und kollektiven Verbindungen lädt Hendrik uns ein, Grenzen zu überschreiten und durch Worte, Musik, Kunst, Bewegung und sogar durch Stille miteinander in Kontakt zu treten.

photo by Reinhard Simon

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